INSEL PHU QUOC

Wo Urlaubstraüme mit Fischsauce verfeinert werden


Vietnams größte Insel Phu Quoc startet durch – mit einem modernen Flughafen, eleganten Resorts und neuen Reiserouten.


Schnell hat die Maschine über dem Meer an Flughöhe gewonnen, als es ein überraschendes, flüchtiges Wiedersehen mit Phu Quoc gibt… Nach einer langgezogenen Schleife über dem Wasser taucht noch einmal der Hafen der Insel Hauptstadt Duong Dong mit seiner Armada aus bunten Fischerbooten auf. Links und rechts davon erstrecken sich kilometerweit die goldgelb schimmernden Sandstrände der Westküste und im Dunst der Ferne – am Südzipfel der Insel – die sichelförmigen Badebuchten, die mit ihrem weißen Puderzuckersand karibisches Bacardi- Feeling hervorrufen. Als letztes kommen noch einmal die bis zu 600 Meter hohen, von dichten Regenwäldern überzogenen Berge in Sicht.

Nur eines fehlt hier oben: der Geruch der Fischsauce „Nuoc Mam“, die die Beste von ganz Vietnam sein soll. Mit allerlei Vitaminen und hohem Eiweiß-Gehalt gehört sie zu jedem einheimischen Gericht und soll sogar bei Magenproblemen helfen. Immer der Nase nach, sind die Produktionsstätten dieses Lebenselixiers leicht zu finden: Hier werden bis zu drei Meter hohe Holztröge wechselweise mit Schichten aus Sardinen und Salz gefüllt, dann mit Wasser luftdicht abgeschlossen. Nach vier Monaten wird zum ersten Mal abgezapft, manchmal auch erst nach einem Jahr. Mehr als 100 Jahre fungierte die Nuoc Mam als wichtigste Komponente der Inselwirtschaft …

NEUE INFRASTRUKTUR UND IMPULSE


Doch der mit 568 Quadratkilometern größten Insel des Landes ist auf dem Wege zu neuen Ufern. Davon kündet der moderne Flughafen, die mit 7,9 Kilometern weltweit längste Seilbahn (nach Hon Thom), neue Fährverbindungen und Straßen sowie die ersten eleganten Luxusresorts oder eindrucksvolle Wohn- und Ferienparkprojekte. Schon die Stromversorgung vom Festland, die bemerkenswerte 30-tägige Visa-Freiheit für ausländische Urlauber oder die Vielzahl schillernder Spiel-Casinos haben für frische Impulse gesorgt.

Auch der Nachtmarkt von Duong Dong hat sich bereits neu erfunden – er präsentiert sich mit etlichen, halboffenen Seafood- Restaurants allabendlich als touristische Schlemmermeile. Die Vielfalt an dargebotenem Meeresgetier ist überwältigend, weiter hinten zeigen Verkaufsstände mit grell erleuchteten Vitrinen, was die Küstengewässer an gezüchteten, in allerlei Farben schillernden Perlen hergeben. Auch im Inneren der tropfenförmigen, 48 Kilometer langen und bis zu 28 Kilometer breiten Insel, deren Größe in etwa der von Ibiza entspricht, verbirgt sich mancher Naturschatz. Die Regenwälder von Phu Quoc zählen zu den letzten in Südostasien und stehen weitgehend unter Naturschutz. Hier verbergen sich seltene Baumarten, über 100 verschiedene Kräuter für die Heilmittelproduktion und allerlei exotische Fauna.


REMINISZENZEN DER VERGANGENHEIT


Die weitläufigen Plantagen indes fungieren überraschend als Schlüssel zur Vergangenheit. Sie wurden einst von Sträflingen in den Urwald gerodet, denn die französische Kolonialmacht oder die nachfolgenden, südvietnamesischen Regime hatten auf Phu Quoc riesige Gefangenenlager für bis zu 40.000 Menschen etabliert. An das Nha Lao Cay Dua – auf Deutsch:Kokosnuss-Gefängnis – erinnern noch einige Ruinen, die teilweise sogar rekonstruiert wurden. Die Gedenkstätte liegt bei An Thoi im Süden der Insel, das als Ausgangspunkt für erlebnisreiche Tageskreuzfahrten zum Baden, Tauchen oder Angeln fungiert.

Auch die schönsten Badebuchten sind über An Thoi zu erreichen. Wie der Bai Sao Beach (Sternen-Strand), der sich als Traum aus weiß leuchtendem Puderzuckersand präsentiert – umrahmt von türkisblauen Meeresfluten und tiefgrünen Hügeln. Der benachbarte Bai Kem Beach (Eiscreme-Strand) ist sogar noch reizvoller und müsste eigentlich längst mit Fünf- Sterne-Resorts bebaut sein. Doch werden einige Regionen der Insel wohl auch in Zukunft der Armee vorbehalten bleiben. Schließlich liegt Phu Quoc an der Peripherie Vietnams bzw. im Golf von Thailand und nur etwa 15 Kilometer von der kambodschanischen Provinz Kampot entfernt … Diese extrem exponierte Lage hat schon für Brisanz gesorgt, neuerdings aber auch für einen Boom: Die Öffnung mehrerer Übergänge hat die Grenzen durchlässiger gemacht und neue, länderübergreifende Reiserouten ermöglicht.

Doch wer die Insel nach wie vor über den-Flughafen verlassen möchte, wird beim Einchecken verstärkt darauf hingewiesen, dass sich keinerlei Fischsauce im Koffer befinden darf.
Denn dieses ideale Souvenir hat beim Transport wohl schon manches Malheur angerichtet. Was also könnte da näher liegen,als zumindest das Abschieds-Mahl auf Phu Quoc noch mit einem zusätzlichen Schälchen dieses exzellenten Elixiers anzureichern …

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