KAFFEE - KULTUR MIT ANSPRUCH

Ein Tässchen Kaffee … in Vietnam ist dies – wie bei uns – durchaus üblich.
Allein in Hanoi soll es alle 15 Meter einen Coffee-Shop geben. Die Tradition ist allerdings vergleichsweise jung.

Französische  Missionare waren es, die den Kaffee nach Vietnam brachten, und seit mehr als hundert Jahren wird er nun dort angebaut.
Welches Potenzial er besitzt, entdeckte man erst in den Achtziger Jahren – nicht zuletzt, da der Anbau während der Vietnam-Kriege brachlag. Die Weltbank förderte aufgrund der Kaffeekrise den Anbau, und mit den Erlösen aus dem
Export sollte Vietnam seine Auslandsschulden tilgen können.
Es wurde eine Erfolgsstory: Heute ist das Land zweitgrößter Exporteur nach Brasilien.

„Vietnamesen müssen zusammen sein, um Spaß zu haben.“

Das Besondere: Jedem Vietnamesen ist es erlaubt, eine Plantage zu betreiben, und so stammt der Kaffee zu etwa 95 Prozent von kleinen Farmen, die restlichen fünf Prozent werden auf staatlichen Kaffeeplantagen angebaut. Anders als in Südamerika erhalten die Bauern in Vietnam den Hauptteil der Erlöse, nur ein kleiner Teil geht an Zwischenhändler.

Kaffee war lange ein Luxusprodukt und als Statussymbol den Reicheren vorbehalten. Einfache Menschen tranken Tee oder verlängerten sich das Kaffeepulver mit verschiedenen Zusätzen. Der vietnamesische Kaffee ist ein sehr starker Filterkaffee - es gibt sogar kleine Filteraufsätze für eine einzelne Tasse. Die Aufsätze sind beliebte Souvenirs, mit denen man sich ein Stückchen Urlaub nach Hause holen kann. Der Kaffee wird mit süßer Kondensmilch getrunken oder als Eiskaffee auf Eiswürfeln serviert. Ein besonderes Schmankerl ist die Variante mit Eigelb. Es wird mit Zucker verrührt und dann mit Kaffee aufgegossen – mehr ein Dessert als ein Heißgetränk.

Wir besuchen das Coffee House (www.thecoffeehouse.vn) einige Straßen weiter. Es liegt im zweiten Stock – wie viele der Cafés in Hanoi. Auf zwei Ebenen mit einem Balkon wirkt das Coffee House wie viele andere Kaffee-Konsum-Orte auf dieser Welt: Gedeckte Farben, sanfte Musik, niedrige Sesselchen und Tischchen. „Nettes Ambiente ist wichtig“, erklärt Mi. Zumindest bei den modernen Cafés. Es gibt einige, die vielleicht nicht so gemütlich eingerichtet sind, aber dennoch wichtige soziale Funktionen haben – als Orte der Zusammenkunft.
Zu ihnen gehört das Café Giang (www.giangcafehanoi.com). Ngyuen van Giang, Bartender des Metropol Hotels, gründete dieses Institution 1946. Auf mich wirkt es ein wenig wie aus der Zeit gefallen mit seinen niedrigen Hockern und Plastikstühlen. Der Kaffee wird in Schalen mit heißem Wasser serviert – so bleibt er länger warm. Schließlich besuchen wir das Cong Caphe (www.congcaphe.com): Landesweit gibt es rund 30 Filialen dieser Café-Kette, die sich ein bisschen über die Mangelzeiten des Vietnam-Krieges lustig macht. Die Barrista tragen Armeeklamotten, der Kaffee wird in Emaille-Bechern serviert. An den Wänden hängen Plakate mit revolutionären Parolen: „Wir kämpfen für ein besseres Land“. Ein Land, in dem Kaffee fraglos einen revolutionsstärkenden Platz einnimmt.