HANOI

Faszinierende Mischung aus Alt und Neu: Die vietnamesische Hauptstadt präsentiert sich als authentisches Beispiel gelebter Tradition


Einst typisch für die ganze Region, gelten sie heute eher als Symbol der Rückständigkeit: In ganz Südostasien sind die urigen Fahrrad- Rikschas auf dem Rückzug – auch in Hanoi, wo fast nur noch Mopeds und immer mehr Autos durch die Straßen rollen. Die Le Cyclo Bar in der Duong Thanh Street jedoch hält die alten Gefährte in Ehren und nutzt sie als originelle Sitzmöbel. Das ist bezeichnend für die Hauptstadt Vietnams, die bereits auf eine über 1000-jährige Geschichte zurückblickt und dem Fortschritt gewiss nicht jede Tradition opfern will.

ZUM EINSTIEG IN DIE ALTSTADT


Um sich Hanoi auf ideale Weise zu nähern, sollte man sich treiben lassen – am besten natürlich durch die Altstadt… Das Viertel der 36 Gassen gliedert sich schon seit Jahrhunderten nach Zünften des Handwerks und Handels. Am besten beobachten lässt sich das rege Treiben bei einer dampfenden Pho (Nudelsuppe) oder einem langsam durch den Blechfilter tröpfelnden Ca phe Sua (Kaffee), aber vor allem: beim frisch gezapften, eisgekühlten Bia Hoi (Bier)! An den Straßenkreuzungen Luong Ngoc Quyen / Ha Tien oder Hang Dong / Hang Vai zum Beispiel locken etliche Minihocker-Restaurants als Logenplatz. Ohne Unterlass zieht das pralle Leben vorbei – Strohhutfrauen mit gut sortierten Bauchläden, mit wachen Augen Ausschau haltende Schuhputzer, stoisch dreinblickende Polizisten, rosafarbene Motorroller oder ein Passant mit Tropenhelm und einem Fahrrad, das noch aus Kriegszeiten zu stammen scheint.

AUF DEN SPUREN DER KOLONIALZEIT


Zur „Ville Francaise“ und dem nostalgischen Charme der Kolonialzeit gelangt man vor allem über die Dinh Tien Hoang. Einst als Pracht- und Flanierstraße erschaffen und Rue Paul Bert genannt, führt sie zu den gelb getünchten Villen und Repräsentationsbauten der Franzosen. Auch die Schatten spendenden Baumalleen, weitläufigen Parks und romantischen Seen haben dazu beigetragen, der Stadt den Ruf „Paris des Ostens“ zu bescheren. Vielerorts lässt sich noch – oder vielleicht treffender: wieder – das entsprechende Laissez-faire genießen, wie im von Franzosen gegründeten Press Club. Nur einen Steinwurf vom 1901 eröffneten, altehrwürdigen Hotel Sofitel Metropole entfernt, hat er sich als gediegener Szene-Treff etabliert.

GYMNASTIK IM TRUBEL DER GROSSSTADT


Ein perfekter Tag in Hanoi kann mit einem zeitigen Besuch am beliebten Hoan Kiem-See beginnen. Schon zum Sonnenaufgang üben sich die Einheimischen in Thai Chi, Aerobic, Joggen oder Ballspiel. Warum nicht gleich einreihen?
Wer sich  hier fit macht, ist für die Erkundungsroute zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten bereits warm gelaufen. Das Wohnhaus und Mausoleum von Landesvater Ho Chi Minh sollte dazu zählen, die Einsäulen-Pagode, der Literaturtempel Van.

Die Erkundung der Hauptstadt Hanoi verbindet sich stets mit stil- und stimmungsvollen Impressionen. Mieu und natürlich das Weltkulturerbe der Zitadelle – aber vielleicht auch so manches Museum. In der Ma May Street lässt sich sogar eines der legendären Tunnelhäuser besichtigen. Sie sind schmal, aber bis zu 80 Meter lang und typisch für die Altstadt Hanois. Spätestens jetzt könnte ein Bummel durch die experimentierfreudige Kunstszene folgen. Besonders in den Straßenzügen Trang Tien oder Hang Bong wechseln sich originelle Einrichtungsläden mit angesagten Galerien ab – wie dem Apricot, Gia Huy oder Salon Natasha. Viele Werke zeugen vom Bestreben, Elemente der Tradition und Moderne miteinander in Einklang zu bringen.

THEMEN-TOUREN IM TREND


Inzwischen werden sogar spannende Exkursionen angeboten, bei denen Profis durch die heimische Künstlerszene und zu weniger bekannten Galerien führen. Andere Spezialtouren weihen in die Geheimnisse des Wasserpuppentheaters ein und enden bei den Marionettenbauern oder Privatvorstellungen der famosen Kleinkunst. Ebenso nachhaltige Erlebnisse garantieren die von renommierten Gastronomen geführten Streifzüge, die auf Märkten beginnen, sich mit gemeinsamem Kochen fortsetzen und in originellen Spezialitäten- Restaurants ausklingen. Wie etwa im Highway4, das sich über drei Etagen eines Hauses in der Hang Tree Street erstreckt: Hier verweilen die meisten wesentlich länger als gedacht – zumal man sich an zwölf einzigartigen, selbst destillierten Schnaps- und Likörsorten versuchen kann. Wie gut, dass draußen noch die letzten Cyclos warten, um den Heimweg zu erleichtern und den Tag denkbar authentisch abzuschließen...

KLEINE HOTELS MIT GROSSEM WERT

Mitten im Geschehen liegen unzählige Minihotels, die zu vergleichsweise günstigen Preisen oft viel Komfort und Charme, Stil und Stimmung bieten. In der gehobenen Kategorie , wie dem Church Boutique Hotel (www.churchhotel.com.vn) oder Hanoi Boutique Hotel (www.hanoiboutiquehotel.com) dürfen scgickes Design und meist sogar Balkons erwartet werden. Ein besonderes Maß an Wohnlichkeit bieten die sechs Altstadt-Hotels von Elegance Hospitality (www.elegancehospitality.com). Wesentlich spartanischer, aber meist nicht minder reizvoll geht es in den neuen, angesagten Hotels zu - wie z.B. den beiden ebenfalls in der Altstadt liegenden Central backpackers Hostels (www.centralbackpackershostel.com).

 

TIPPS & TRENDS

Logenplatz mit Legend Beer

Als idealer Spot, um das quirlige Straßenleben Hanois aus sicherer Distanz bzw. von einem Logenplatz aus zu bestaunen, empfiehlt sich – besonders in den Abendstunden, wenn die Stadtkulisse farbenfroh illuminiert wird – das Legend Beer (geöffnet 11 bis 23 Uhr) an der Dinh Tien Hoang. Es liegt – mit umlaufender Freiluft-Terrasse – im dritten Stock eines markanten, halbrunden Eckgebäudes, das zugleich den Zugang zum Altstadtviertel markiert.
Hier werden nicht nur mehrere Sorten einheimischen Flaschenbiers serviert, sondern auch hauseigenes, eisgekühltes Fassbier, das nach deutschem Reinheitsgebot gebraut wird und sogar „hell“ oder „dunkel“ erhältlich ist. Wer entsprechend hungrig wird, kann auf eine umfangreiche, asiatischwestliche
Speisekarte setzen, auf der sich überraschend auch Haxe oder Bratwurst finden …

Ein Weltrekord in Straßenkunst

Eigentlich ist sie viel zu schade, um nur im Vobeifahren bewundert zu werden … Denn die als Hanoi Ceramic Mosaic Mural bezeichnete Straßenkunst gilt als größtes Keramik-Mosaik der Welt: Auf einer Länge von rund vier Kilometern flankiert das kunterbunte Kunstwerk die wichtigste Ausfallstraße Hanois bzw. eine Schutzmauer, die die Hauptstadt vor Überschwemmungen schützt.
Zu Fuß jedoch lässt es sich gut vom Hoan Kiem-See über die Ly Thai To erreichen. Initiiert wurde das Projekt von der Journalistin Nguyen Thu Thuy, verwirklicht von 35 einheimischen und ausländischen Künstlern, über 100 Handwerkern und 500 Kindern sowie westlichen Botschaften und Bildungseinrichtungen wie dem Goethe Institut. Die Motive stammen u. a. aus der Geschichte des Landes, die glasierten
Fliesen aus dem 13 km entfernten Keramik-Kunst-Dorf Bat Trang
(www.bat-trang.com).

Gewand Im Aufwind

Sie ist wunderschön und fasziniert männliche wie weibliche Urlauber gleichermaßen, lässt sich aber im Alltagsleben nur noch selten bewundern … Nun erfährt die vietnamesische Nationaltracht Ao Dai kreativen Aufwind – zum Beispiel durch die Dauer-Ausstellung im Lanhuong Fashion House, das von der renommierten Designerin Lan Huong (http://luxury.aodailanhuong.com.vn) in der
18 Au Co Street betrieben wird. Gezeigt werden das faszinierende Gewand im Wandel historischer Epochen sowie der komplette Prozess der Produktion. Zudem können die Besucher den Experten bei der Fertigung klassischer Accessoires wie konischen Hüten, Holzschuhen oder Schmuck über die Schultern schauen. Die neue Touristenattraktion fungiert nicht zuletzt auch als Treffpunkt einheimischer
Modeschöpfer. Der Eintritt ist kostenlos.

Genüsse und Geheimnisse

Wer sich im Gewimmel der Hauptstadt mit dem überwältigenden Angebot an
Streetfood überfordert fühlt, sollte sich an die Fersen von Heike und Stefan
Leistner heften. Dazu bieten sich nicht nur ein Blick in die neueste Auflage ihres
Werks „Asia Street Food“ (Oktober 2016, 24,99 Euro) oder das Surfen durch die
spannenden, kulinarischen Rundgänge und Reportagen ihrer Homepage
(https://asiastreetfood.com) an, sondern vor allem das Herunterladen der praktikablen App Vietnam eat&travel! Einst inspiriert durch einen Kochkurs bei Didier Corlou in Hanoi, taucht das Autoren-Paar seit 2008 passioniert in die Genüsse und Geheimnisse vietnamesischer Straßen-Kochkunst ein, um seine Erlebnisse, Erfahrungen und Erkenntnisse in bestechend praktikabler Form zu vermitteln …

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