SAIGON

Zwischen Lokalkolorit und Luxus: Die vietnamesische Hauptstadt präsentiert sich als authentisches Beispiel gelebter Tradition.

Diese Metropole wächst nicht nur in den Himmel, sondern auch unter die Erde: Derzeit fiebert das quirlige HCMC, wie es gern abgekürzt wird, der neuen U-Bahn entgegen: Sie soll 2018 in Betrieb gehen. Und ab 2020 kann der 40 Kilometer nordöstlich von Ho-Chi-Minh-City entstehende Long Thanh International Airport den Riesenflieger A380 und jährlich bis zu 100 Millionen Passagiere abfertigen. Ob auch die vielen Touristen das unterirdische Verkehrsmittel nutzen wollen? Immerhin ist es ja das pulsierende Straßenleben von Vietnams größter Stadt, das zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten zählt und jeden Besucher umgehend in den Bann schlägt…




IM STRASSENKINO


Saigon – der Name gilt eigentlich nur für das Zentrum, wird jedoch gern für die ganze Stadt verwandt – mag sechs oder gar schon acht Millionen Einwohner zählen. Die seit Anfang der 1990er-Jahre grassierende Aufbruchsstimmung ist zum Dauerzustand geworden und manifestiert sich vor allem auf den Straßen, dominiert vom Hauptverkehrsmittel Moped: Oft sind ganze Familien auf ihrem Xe Máy unterwegs – mit Kindern, die sich im Schoß des Vaters souverän an den Lenker klammern oder Babys, die in den Armen ihrer Mütter schlummern. Die Jugend hockt am liebsten allein auf ihren Rollern, dabei eine Hand am Gas, die andere mit Handy am Ohr. Zwar sind die schicken Hüte der Saigonerinnen der Helmpflicht zum Opfer gefallen, doch scheint ihre Eleganz unvergänglich. Mit hautengen Markenjeans, modischen Flip Flops und langen Handschuhen bekleidet, lenken sie ihre Gefährte durch die Stadt.


JUNGE KÜNSTLER, ALTE MÄRKTE


Boom und Big Business prägen das neue Stadtbild. Reich an Chrom, Glas und Marmor, wachsen immer mehr Büro- und Hoteltürme in den Himmel. Schillernde Einkaufszentren und Flaniermeilen wie das Zen Plaza, Vincom Center oder Parkson konkurrieren mit zahlreichen Boutiquen, Ateliers und Galerien, in denen Vietnams junge Modeschöpfer, Künstler und Designer selbstbewusst gegen internationale Marken- oder Massenproduktion antreten. Auch die traditionellen Märkte der Stadt bleiben im Geschäft – wie der Ben Thanh-Markt. Das Einkaufsparadies aus 1500 Ständen lockt mit Textilien, Kunsthandwerk und landestypischen Spezialitäten. Es wurde bereits von den Franzosen erbaut, ebenso wie das stuckverzierte Rathaus, das Stadttheater, das Art Deco-Postamt, die Kathedrale oder manches Kolonialhotel, das im Viertel Dong Khoi mit seiner Architektur noch für das Saigon von Graham Greene und Somerset Maugham steht.


WAHRZEICHEN DER MODERNE


Zu den fotogenen Bauten der Neuzeit zählt die Phun My-Brücke. Die imposante Hängekonstruktion spannt sich über den Saigon-Fluss, um die Anbindung der nördlichen Stadtteile zu verbessern. Als ständiger Begleiter hingegen erweist sich der 2010 eröffnete Bitexco Financial Tower, der mit seinen 265 m und der futuristisch anmutenden Architektur nie zu übersehen ist. Für ca. sieben Euro dürfen sich Besucher in die 49. Etage „beamen“ lassen, um vom Saigon Skydeck einen atemberaubenden Panoramablick zu genießen.

ERLEBNIS-GASTRONOMIE OHNE ENDE


Die Tage in Saigon vergehen wie im Flug, doch wehe dem, der nicht genug Abende für Szenebars und Schlemmer-Restaurants mitgebracht hat: Im marktähnlich konzipierten Quan An Ngon zum Beispiel sind 20 der stadtweit besten Straßenköche vereint, um unter den Augen der Gäste ihre Lieblingsgerichte um die Wette zu brutzeln. Auf dem Gelände einer ehemaligen Opiumfabrik lockt das urgemütliche Bistro-Restaurant The Refinery und im Wohnzimmer-Ambiente des Mandarine waren schon mehrere Präsidenten und Könige zu Gast, um die kulinarisch wie künstlerisch kreierten Speisen zu genießen. Auch wer zwischen den Antiquitäten und Samtsofas des Temple Club Platz nimmt, dürfte es nicht bereuen. Schließlich haben hier schon Angelina Jolie und Brad Pitt gespeist – und zwar gebratenen Reis sowie das Fischgericht Cha Ca La Vong, wie stolz erzählt wird…

FÜR JEDEN GESCHMACK UND GELDBEUTEL

Ob es ein Zimmer mit Familienanschluss (ab 5 Euro) in der Hem 40, 84, 185, 217 oder 283 sein soll – wie die kleinen Gassen im Traveller-Viertel Pham Ngu Lao durchnummeriert sind – ein gediegenes Kolonialhotel an der stets angesagten Dong Khoi oder die imposanten, bis zu 530 Luxus-Zimmer großen Fünf-Sterne-Resorts im chinesischen Viertel: Die Vielfalt der Unterkünfte ist schlichtweg überwältigend.



TIPPS & TRENDS

Illusionen zum Träumen

 
Sie liegen weltweit im Trend und garantieren Spaß für die ganze Familie bzw. jede Menge illustre Schnappschüsse:
Als phantastische Ergänzung zu den zahlreichen geschichtsträchtigen
Museen der Metropole hat im Him Lam Tan Hung Ward (District 7) das Artinus 3 D Art Museum eröffnet
(Mo. bis Fr. 9 bis 17 Uhr, Sa. und So. bis 19 Uhr). Die 4000 Quadratmeter große Galerie umfasst neun Zonen mit märchenhaften Monumental-Gemälden, die z. B. Landschaften oder Historie thematisieren. Den Mittelpunkt bilden
natürlich Motive aus Vietnam – wie die Kombination der Zitadelle Hues mit der Halong-Bucht oder eine überdimensionale Schönheit im Ao Dai-Gewand. Erschaffen wurden die 100 Wunderwelt-Werke von 15 Künstlern aus Südkorea. Für den Besuch sollten zwei Stunden eingeplant und die Kamera- Akkus bis zum Anschlag aufgeladen werden …

Faszinierende Flaniermeile

 
Manchmal lässt sich aus einer Not(wendigkeit) tatsächlich eine Tugend machen: Nach den umfangreichen Erdarbeiten, die mitten im Herzen von Ho Chi Minh City für den Bau der U-Bahn erforderlich waren, musste die Straßenoberfläche komplett neu gestaltet werden … Dabei heraus gekommen ist Saigons Nguyen Hue Walking Street: Sie erstreckt sich vom kolonialen Rathaus über eine Länge von 900 Metern bzw. mit einer Breite von 60 Metern bis hinunter zum Saigon-
Fluss – und füllt sich vor allem abends und besonders an Wochenenden oder Feiertagen. Ein facettenreiches Veranstaltungsangebot, moderne unterirdische Toiletten oder ein Feld mit Springbrunnen, die sich sogar
im Rhythmus von Musik schalten und farbenfroh illuminiert lassen, haben die Popularität der neuen Flaniermeile sehr gesteigert …

Im Rhythmus der Nacht

Lange symbolisierte das legendäre Apocalypse Now (http://apocalypsesaigon.com) in der Thi Sach Street quasi exklusiv das Nachtleben Saigons (www.saigonbarsandclubs.com), heute jedoch eröffnen sich wesentlich mehr Möglichkeiten, die Nacht zum Tag zu machen … Es kann mit dem Besuch eines beliebten Dachterrassen-Spots beginnen oder im kleinen, kultigen Sax n' Art Jazz Club (www.saxnart.com), in dem – neben Besitzer Thuan – die wohl besten Jazz-Musiker Vietnams auftreten. Wer lieber das Tanzbein schwingen möchte, ist besonders gut im zweigeschossigen Lush Nightclub (auf Facebook) aufgehoben, wo sich die traditionellen, als Lady`s Night lockenden Dienstag-Partys ebenso als Renner erwiesen haben wie in dem noch jungen,angesagten Ace Nightclub (www.acenightclub.vn).


Kochkunst - auch als Souvenir

Die kulinarischen Genüsse aus exotischen Gefilden auch daheim genießen – und unbedingt selbst zubereiten: Immer mehr Urlauber garnieren ihren Urlaub in Vietnam mit einem Kochkurs. Schließlich gilt die Küche des Landes ja als eine der weltweit besten, und Saigon inzwischen als Mekka ausgezeichneter Kochschulen (z. B.http://saigoncookingclass.com, www.vietnamsaigoncookingclass.com, http://hochiminhcookingclass.com oder http://cookingclasstours.com). Viele Kurse beginnen mit einem spannenden Streifzug über die Frischmärkte der Stadt oder durch einen privaten Kräutergarten, um sich – je nach Anbieter – in einem Hotel, Restaurant oder sogar im privaten Ambiente einer schmucken Kolonialvilla fortzusetzen. Die Teilnahme kostet meist 30 bis 40 US-Dollar, verspricht schöne Gemeinschafts- und Erfolgserlebnisse sowie ein besonders nachhaltiges Souvenir.

Anzeigen